Wertvoller Rohstoff aus dem Hochofen

Eisenhüttenschlacke: Das im metallurgischen Prozess anfallende Nebenprodukt könnte laut FEhS durch gezielte Nutzung zu Ressourcenschonung führen. Foto: Shutterstock

Deutschland zählt mit über 40 Mio. Tonnen als größter Stahlproduzent innerhalb der EU. Bei der Herstellung des Werkstoffes fällt ein begehrtes Nebenprodukt an: Eisenhüttenschlacke. Dank seiner hohen Qualität und der ökologischen Unbedenklichkeit werden ganze 96 % des industriell hergestellten Mineralstoffs zu Baustoffen und Düngemitteln verarbeitet. In Deutschland sind das 13 Mio. Tonnen pro Jahr. Eisenhüttenschlacken ersetzen dabei Natursteine, deren weltweiter Abbau zunehmend zu einem Umweltproblem wird.

In den vergangenen siebzig Jahren wurde über eine Mrd. Tonnen Eisenhüttenschlacke allein in Deutschland verwendet – das entspricht aufgeschüttet einem Berg so hoch wie die Zugspitze. Im gleichen Zeitraum konnte bei der Zementherstellung durch die Verwendung von Schlacke gefertigtem Hüttensand anstelle von Portlandzementklinkern über 200 Mio. Tonnen CO2 eingespart werden. Die Umweltverträglichkeit des Sekundärrohstoffes sei durch diverse Gutachten und Untersuchungen belegt, heißt es beim FEhS-Institut für Baustoff-Forschung. Dessen Angaben zufolge erfüllen Eisenhüttenschlacken zudem die umweltrechtlichen Voraussetzungen der Verordnung zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) des Bundesumweltministeriums. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) habe sie als unbedenkliches Produkt registriert.

„Bestes Beispiel für Ressourcenschonung“

Thomas Reiche, Geschäftsführer des Institutes für Baustoff-Forschung, betont: „Primärrohstoffe sind nur begrenzt verfügbar. Wer ökonomisch und ökologisch wirtschaften will, muss alternative Ressourcen verwenden.“ Dafür forschen und beraten die Experten aus Duisburg seit Jahrzehnten zu Schlacken und den daraus hergestellten Produkten. Für Reiche sei daher klar: „Eisenhüttenschlacken sind das beste Beispiel für gelebte Ressourcenschonung und funktionierende Kreislaufwirtschaft“. Aus diesem Grund fordere das FEhS-Institut eine Änderung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes sowie der Landesabfallgesetze. Das Ziel: Die flächendeckende Zulassung und angemessene Bevorzugung schlackenbasierter Baustoffe zumindest bei öffentlichen Bauaufträgen.

Eisenhüttenschlacken gelten als homogene Sekundärrohstoffe mit den wesentlichen Bestandteilen Calzium, Silizium, Eisen, Aluminium und Magnesium. Sie ähneln in ihrem Chemismus und hinsichtlich ihrer Mineralogie vulkanischer Lava. Man unterscheidet je nach metallurgischem Prozess zwischen Hochofenschlacke und Stahlwerksschlacke. Aus einem Großteil der Hochofenschlacke entsteht durch Granulation mit Wasser glasiger, feinkörniger Hüttensand. Der übrige Teil wird in Beete abgegossen und erstarrt zu kristalliner Hochofenstückschlacke, die zur Weiterverarbeitung gemäß dem späteren Verwendungszweck gebrochen werden muss.

Quelle: FEhS – Institut für Baustoff-Forschung