Digitalisierung: Hohe Anforderung an die Stahlbranche

Die Digitalisierung ist heutzutage überall und in jeder Branche spürbar. Sie verändert ganze Wirtschaftszweige und zwingt dadurch jedes Unternehmen zum Handeln. Und wer nicht handelt, läuft Gefahr, in den nächsten Jahren in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Auch in der Stahlbranche ist das nicht anders. Hier steht die Digitalisierung vor allem für Industrie 4.0 und für große Veränderungen.

Autor: David Müller

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International werden zunehmend Erzeugnisse aus der Stahlproduktion nachgefragt – und das soll auch so bleiben. Während andere Branchen Angst um ihre Zukunft haben müssen, soll die Nachfrage nach Stahl Experten zufolge in den nächsten 20 Jahren immer weiter steigen. Das klingt erst einmal nach rosigen Aussichten, doch die deutschen Stahl-Unternehmen müssen sich auch einigen Herausforderungen stellen. Während sie in ständiger Konkurrenz mit Billigstahl-Konzernen aus Asien stehen, hat hochwertiger Stahl in Deutschland heute viele Bedingungen zu erfüllen: Hohe Festigkeit und Stabilität, Korrosionsschutz sowie Umweltschutzauflagen bei der Produktion.

Um auch in Zukunft diesen wachsenden Anforderungen gerecht zu werden, muss die Stahlbranche die Digitalisierung als Chance sehen und diese auch nutzen. Das ist leichter gesagt als getan, denn die Dimensionen sind bei der Stahlproduktion viel größer als in anderen Branchen. Und deshalb besteht auch die Umstellung auf Industrie 4.0 aus drei großen, aber notwendigen Schritten:

Automatisierung von Prozessen

Die gesamte Digitalisierung beruht auf dem Prinzip der automatisierten Prozesse. Um dahinzukommen, müssen als erstes riesige Datenmengen gesammelt und ausgewertet werden. Mit innovativen Technologien ist es heutzutage kein Problem mehr, von sämtlichen Maschinen alle Daten zu exportieren. Das Problem sind in der Stahlbranche eher die Maschinen an sich. Denn es handelt sich meist um ältere Modelle, die mit der neuen Technik verbunden werden müssen. Wenn alle Prozesse digital überwacht werden können, kann das wiederum eine künstliche Intelligenz übernehmen. So wird die Fehlerquote der Maschinen gesenkt, außerdem können Entscheidungen schneller und gegebenenfalls besser getroffen werden. Im Endeffekt geht es um perfekt optimierte Prozesse, sowohl in der Produktion als auch in sämtlichen anderen Bereichen. Wenn ein Stahl-Unternehmen daran arbeitet, wird es langfristig seine Kosten senken und eine bessere Wettbewerbsfähigkeit aufweisen.

Neue Vertriebswege

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In direkter Konsequenz der automatisierten Prozesse liegen völlig neue Vertriebswege für die Stahlbranche. Was lange nur über Fax und Telefon möglich war, kann heute so einfach sein wie Schuhe-Kaufen. Die Zukunft des Stahlhandels liegt im Internet, wo Stahl bequem und einfach online bestellt werden kann wie ein Paar Schuhe. Digitalisierungsvorreiter der Stahlbranche wie beispielsweise Klöckner & Co zeigen mit ihrem Online-Shop, wie es geht. Der Käufer kann auf deren Internetseite ohne großen Aufwand die Verfügbarkeit prüfen und in wenigen Schritten die gewünschte Menge bestellen. Durch die digitale Erfassung der gesamten Bestände und durch die Automatisierung des Bestellprozesses funktioniert das alles in Sekundenschnelle. Übrigens: Tipps vom Experten zur Umsetzung eines Stahl-Online-Shops finden Sie hier.

Die „mannlose Fabrik“

Der ultimative Schritt zur Industrie 4.0 für die Stahlbranche ist die komplette Virtualisierung aller Produktions-, Bestell- und Lieferprozesse, sodass eine „mannlose Fabrik“ entsteht. Diese funktioniert dann komplett ohne menschliche Hilfe. Voll automatisierte Kommunikation zwischen Lieferant und Kunde mit Zugriff auf sämtliche Material-, Produktions- und Prozessdaten in Echtzeit, all das wäre mit hochmodernen Softwarelösungen heute bereits möglich. Manche Unternehmen gehen sogar noch weiter und denken an einen automatisierten Transport. Doch der Weg zur „mannlosen Fabrik“ ist für die Stahlbranche noch sehr weit.

Fazit

Die Umsetzung der Schritte zur Industrie 4.0 ist mit viel Aufwand verbunden. Deutsche Stahl-Unternehmen werden in der Zukunft viel Zeit, Geld und vor allem Mut aufbringen müssen, um ihre Position in der digitalisierten Welt zu halten.