Noodle.ai und SMS digital: Künstliche Intelligenz für die Stahlindustrie

Mit Mechanical Properties Variability (MPV) haben Noodle.ai und SMS digital eine Applikation entwickelt, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz erhebliche Kostenersparnisse in der Stahlindustrie ermöglichen soll. Quelle: Shutterstock

Es war im Juni vergangenen Jahres, als Noodle.ai und SMS digital ihre Kooperation bekanntgegeben. Das gemeinsame Projekt umfasste derzeit die Entwicklung eines von künstlicher Intelligenz (KI) betriebener Applikation für die Stahlindustrie. Nun haben die Digitalisierungsspezialisten das System unter der Bezeichnung MPV (Mechanical Properties Variability) auf den Markt gebracht.

Angesichts ständig schrumpfender Margen in der Stahlindustrie gilt es als essenziell, moderne, hochfeste Stahlsorten herzustellen. Beispielsweise die Automobil- oder Elektroindustrie könne so profitabel wirtschaften, erklärt SMS digital in einer Pressemeldung. Das Problem: Die Herstellung dieser hochmodernen Stähle erfordere eine deutlich engere Prozessführung über den gesamten Produktionsprozess hinweg, der durch vielfältige Parameter in allen Bereichen der Prozesskette beeinflusst werde.

Um das Problem der Variabilität der mechanischen Werkstoffeigenschaften in den Griff zu bekommen, setzt die MPV-Applikation auf KI und Machine Learning. Der neue Ansatz der beiden Unternehmen setzt auf die Fähigkeit, mithilfe von KI Zusammenhänge zu „erspüren“.

Potenzielle Kostenersparnisse

In der Folge sollen daraus Vorhersagen und konkrete Empfehlungen abgeleitet werden. Dabei geht es vor allem um die Eigenschaften Dehngrenze, Zugfestigkeit und Dehnung. Die Applikation erspürt Muster innerhalb der erfassten Produktionsdaten und ist so in der Lage, Verursacher für Abweichungen von den geforderten mechanischen Werkstoffeigenschaften zu identifizieren. Sie kann vorhersagen, wann größere Schwankungen eintreten und gibt die Eingangsparameter und PDI-Einstellungen vor. Mit letzteren Prozesseingangsdaten (Process Data Input) können die spezifizierten Werte für die Werkstoffeigenschaften Dehngrenze, Zugfestigkeit und Dehnung eingestellt werden.

Im Ergebnis kann die MPV-Applikation Stahlherstellern helfen, auf verschiedenen Wegen Kosten einzusparen – etwa durch Reduzierung der Legierungskosten dank besserer Kontrolle über die Variabilität. „Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz bei unserer Stahlproduktion können wir engere Toleranzen einhalten“, sagt Denis Hennessy, Director of Product Development bei Big River Steel. Das nach eigenen Angaben umweltfreundlichste Stahlwerk Nordamerikas in Osceola, Arkansas, hat bereits erste Erfahrungen mit der neuen MPV-Applikation gesammelt. „Dies bringt uns nicht nur Einsparungen, sondern hat auch direkte positive Auswirkungen auf unsere Erträgnisstruktur“, so Hennessy weiter. (nr)