Pilotanlage von voestalpine nimmt Betrieb auf

Die weltgrößte Pilotanlage zur CO2-freien Herstellung von Wasserstoff, so voestalpine, hat in Linz den Betrieb aufgenommen. Mit dem EU-geförderten Projekt „H2Future“erforscht das Unternehmen unter Beteiligung diverser Partner die industrielle Produktion von „grünem“ Wasserstoff, der langfristig fossile Energieträger in der Herstellung von Stahl ablösen soll.

Der österreichische Technologiekonzern nahm die nach eigenen Angaben weltweit größte, modernste und wirkungsvollste Elektrolyseanlage zur Erzeugung von „grünem“ Wasserstoff in Betrieb. Sie verfügt über sechs Megawatt Anschlussleistung und erzeugt mit dem Siemens Silyzer 300 als technologisches Kernstück der Anlage 1 200 Kubikmeter Wasserstoff pro Stunde. Damit wird nun getestet, ob die eingesetzte Technologie für eine großindustrielle Produktion geeignet ist. Außerdem wird mit dem EU-geförderten 18-Mio.-Euro-Projekt das Potenzial zum Bereitstellen von Netzdienstleistungen und dem möglichen Ausgleich von Schwankungen im Stromnetz erforscht.

Am Werksgelände der voestalpine in Linz hat die größte Elektroanalyse zur Erzeugung von „grünem“ Wasserstoff ihren Betrieb aufgenommen. Quelle: voestalpine

Ein Drittel weniger CO2- Emissionen im Visier

„Wir haben uns klare Ziele zur weiteren Direktvermeidung von CO2- Emissionen in der Stahlherstellung für die kommenden Jahre gesetzt“, so Herbert Eibensteiner, Vorstandsvorsitzender von voestalpine. Die neue Anlage sei ein wesentlicher Schritt, um diese Technologietransformation voranzutreiben. Vor dem Hintergrund der globalen Klimavorgaben prüfe der Konzern derzeit die Umsetzbarkeit einer Hybridtechnologie zwischen der bestehenden kohlebasierten Hochofenroute und der mit grünem Strom betriebenen Elektrolichtbogenöfen unter teilweisem Einsatz von grünem Wasserstoff. Die Option würde bei entsprechender Wirtschaftlichkeit zwischen 2030 und 2035 die CO2-Emissionen des Unternehmens um rund ein Drittel reduzieren, heißt es in der entsprechenden Pressemitteilung. „Die wichtigste Voraussetzung für diese Szenarienplanung ist jedoch, dass erneuerbare Energie in ausreichender Menge und zu wirtschaftlich darstellbaren Preisen zur Verfügung steht. Nur so werden wir die zukünftigen Technologien auch tatsächlich wettbewerbsfähig betreiben können“, ergänzt Eibensteiner.

„Enormes Potenzial“

Für die Projektpartner von „H2Fu- tureE“ steht fest: Die Dekarbonisierung des Wirtschafts- und Energiesystems ist die zentrale Herausforderung in der Zukunft. Daher brauche auch die Industrie neue Verfahren und innovative Technologien, wie die Erzeugung von grünem Wasserstoff mittels Elektrolyse aus erneuerbarer Energie, um die langfristigen Ziele zu erreichen. „Durch diesen Prozess schaffen wir ein enormes Potenzial zur Flexibilisierung und Dekarboniserung des Energie- und Wirtschaftssystems“, erklärt etwa Wolfgang Hesoun, Vorstandsvorsitzender von Siemens Österreich. Darüber hinaus könne die Elektrolyse noch als netzdienliches Element genutzt werden, um bei Bedarf überschüssige Energie aus dem Netz zu nehmen, heißt es weiter. Zu den weiteren Partnern gehören der Netzbetreiber Austrian Power Grid, das Energieunternehmen Verbund, das metallurgische Kompetenzzentrum K1-MET sowie die niederländische Organisation für Angewandte Naturwissenschaftliche Forschung (TNO). Finanzielle Unterstützung erhält das Projekt vom Gemeinschaftsunternehmen Fuel Cell Hydrogen (FCH JU), zu dem auch die Europäische Kommission gehört. Das FCH JU stellt bis zu 12 Mio. Euro für die Forschung und Entwicklung zur Verfügung. (voestalpine)

www.voestalpine.com

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