50 Jahre worldsteel

Der Weltstahlverband geht auf deutsche Wurzeln zurück

Im Oktober 2017 wird der Weltstahlverband worldsteel 50 Jahre alt. Die deutsche Stahlindustrie und ihr Verband spielten besonders bei der Gründung am 25. Mai 1967 und in den Anfangsjahren des damaligen International Iron and Steel Institute (IISI) eine entscheidende Rolle.

Von Beate Brüninghaus *
IISI tagte im Oktober 2007 – nach 1974 und 1989 – das dritte Mal in Deutschland, und zwar wie schon 1989 in Berlin. Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel begrüßte damals (v. l. n. r.) Prof. Dr. Dieter Ameling, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl und Vorsitzender des Stahlinstituts VDEh, Akio Mimura, President von Nippon Steel, Ku-Tak Lee, Chairman und CEO von Posco und neu gewählter IISI-Chairman, John Surma, IISI-Chairman, Lakshmi N. Mittal, President und CEO von ArcelorMittal, Prof. Dr. Ekkehard Schulz, Vorstandsvorsitzender von ThyssenKrupp, und IISI Generalsekretär Ian Christmas. Foto: German Steel FederationIISI tagte im Oktober 2007 – nach 1974 und 1989 – das dritte Mal in Deutschland, und zwar wie schon 1989 in Berlin. Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel begrüßte damals (v. l. n. r.) Prof. Dr. Dieter Ameling, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl und Vorsitzender des Stahlinstituts VDEh, Akio Mimura, President von Nippon Steel, Ku-Tak Lee, Chairman und CEO von Posco und neu gewählter IISI-Chairman, John Surma, IISI-Chairman, Lakshmi N. Mittal, President und CEO von ArcelorMittal, Prof. Dr. Ekkehard Schulz, Vorstandsvorsitzender von ThyssenKrupp, und IISI Generalsekretär Ian Christmas. Foto: German Steel Federation

1965 besprach Dr. Hans-Günther Sohl, August-Thyssen-Hütte, mit dem US-Amerikaner Thomas F. Patton von Republic Steel in San Francisco die Gründung eines internationalen Stahlinstituts, das vor allem der engeren technischen Zusammenarbeit dienen sollte. Es gab zunächst zwei Satzungsentwürfe, einen von der damaligen Wirtschaftsvereinigung Eisen-  und Stahlindustrie, einen von US Steel. Die Gründung des International Steel Institute (IISI) erfolgte am 25. Mai 1967 in New York, der Sitz sollte in Brüssel sein. Am 10. Juli 1967 wurde vor einem Notar in Brüssel die Gründungsurkunde unterzeichnet. An diesem Tag konstituierte sich auch das Board, das eigentliche Führungsgremium. Sohl wurde als einer der Gründerväter Chairman, Logan Johnston von Armco Steel wurde Vice Chairman.

»Wir wollen und wünschen uns den Wettbewerb, aber einen in jeder Hinsicht fairen Wettbewerb.«

Dr. Hans-Günther Sohl

IISI hatte anfangs – anders als heute – nur Mitglieder aus der westlichen Welt, zunächst waren es 21 Mitglieder aus elf Ländern, darunter sieben europäische sowie aus den USA, Japan, Australien und Kanada. Zehn, also fast die Hälfte, waren nationale oder regionale Verbände; die anderen elf waren Stahlunternehmen. Eine Mitgliedschaft war ab einer Jahresproduktion von mehr als 2 Mill. t Rohstahl möglich. Deutsche Chairmen gab es in der Nachfolge von Sohl mehrfach: Prof. Dr. Dieter Spethmann (1979 bis 1981) und Dr. Heinz Kriwet (1993) standen als Vorstandsvorsitzende von Thyssen auch an der Spitze des IISI.

Erschienen in »stahlmarkt« Ausgabe 9.2017, S. 8 ff.

Seit 2008 heißt IISI World Steel Association, wobei sich die Kurzform worldsteel durchgesetzt hat. Wurden bei der Gründung des Weltstahlinstituts 1967 weltweit knapp 500 Mill. t Rohstahl produziert, so sind es heute mehr als 1,6 Mrd. t. Etwa die Hälfte davon stellt China her. Analog dazu hat sich bei worldsteel die Bedeutung Deutschlands und Europas zugunsten von China und Asien verschoben. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, eröffnete worldsteel 2006 ein Büro in Peking. Die Strukturkrise in der globalen Stahlindustrie wird den Weltstahlverband auch in den kommenden Jahren vor große Herausforderungen stellen. Realistische Nachfrageprognosen sowie die Analyse von strukturellen Veränderungen werden für die aktuellen politischen Debatten, ob im Rahmen der G-20 oder im OECD-Steel Committee, von großer Bedeutung sein, gerade auch, was die Entwicklungen in China angeht.

*Von Beate Brüninghaus, ehemals Leiterin der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit, Wirtschaftsvereinigung (WV) Stahl, Düsseldorf

170905368