Blendende Chancen für Chinas Internet-Stahlhandel

Das Reich der Mitte forciert den E-Commerce

Der Internethandel mit Stahlerzeugnissen boomt in China. In den vergangenen Jahren stiegen das Volumen und die Zahl der Anbieter kontinuierlich. Abgesehen von der Computeraffinität der Bevölkerung begünstigten die »Internet-Plus-Initiative« der chinesischen Zentralregierung und Überkapazitäten diese Entwicklung. Künftig dürften große Händler ihre Fühler noch weiter ins Ausland ausstrecken, während kleine vom Markt verschwinden.

»Schon in wenigen Jahren werden Chi­nas Onlinemarktplätze den Ton in Asiens Digitalwelt angeben.«

So lautet die Einschätzung des Posco Research Institute (POSRI) in seiner Ausgabe Asian Steel Watch No. 2.2016.

In den späten 1990er-­Jahren waren die Chinesen beim ersten Auftauchen des dot.com-Fiebers noch kaum infiziert. Seinerzeit wagten vor allem Stahlerzeuger, Stahlhändler und Venture-Capital-Unternehmen aus den USA, Japan, Europa und Korea die ersten digitalen Schritte, holten sich aber schnell wegen unausgegorener Geschäftsmodelle blutige Nasen.

Erst zehn Jahre später fingen die Chinesen ob der innovativen Verkaufsmöglichkeiten Feuer und starteten durch. Während 45 Stahlhandelsplattformen im Jahr 2012 ein Volumen von 10 Mill. t umschlugen, waren es 2015 bereits 350 Onlineanbieter mit Transaktionen über 100 Mill. t, heißt es bei POSRI.

Die Marktforscher nennen drei Gründe für dieses Wachstum.

Erstens litten Chi­nas Stahlerzeuger unter der nachlassenden Nachfrage und suchten neue Verkaufs­möglichkeiten, zweitens unterstützte die chinesische Zentralregierung mit ihrer »Internet-Plus-Kampagne« alle digitalen Gehversuche. Drittens hatte das Internetvirus inzwischen weite Teile der Industrie ergriffen, und E-Commerce avancierte zu einer neuen Lebensphilosophie.

Die Zeichen stehen gut.

Die Experten vom Posco Research Institute prognostizieren den Erfolg des Stahl-Onlinemarketings in China – nicht nur bei Sonderwünschen. Schon jetzt werden vor allem handelsübliche Lang- und Flachstähle im Netz geordert.

In der realen Welt hatten Chinas Stahl­erzeuger bislang nur einen sehr geringen Einfluss auf den Verkauf ihrer Erzeugnisse. In den Zeiten hoher Nachfrage waren Erzeuger und Händler unabhängig voneinander gewachsen. Angesichts der sinkenden Be­­stelleingänge sind sie nun erbitterte Konkurrenten: die Stahlerzeuger suchen ihr Heil im E-Commerce. Auch Venture-Capital-Gesellschaften und Beratungsunternehmen trachten nach großen Stücken dieses vielversprechenden Kuchens.

Die Marktforscher glauben, dass die Stahl­hersteller die besten Karten haben. Zum einen erzeugen sie den Stahl, zum anderen unterhalten sie eng geknüpfte Netzwerke in der Verarbeitung und in der Logistik. An zweiter Stelle rangieren die Stahlhändler, die neben ihrem Engagement in der Verarbeitung und in der Logistik die Bedürfnisse der Kunden kennen. Den Finanzinvestoren fehlt indes die Stahlexpertise. Sie punkten aber mit ihren Erfahrungen im E-Commerce-Geschäft und großen finanziellen Möglichkeiten.

Fünf Unternehmen geben den Ton an

Gegenwärtig bestimmen fünf Unternehmen die elektronische Marschrichtung und bündeln mehr als 90 % des chinesischen Handelsvolumens. Den größten Marktanteil besitzt die mit Venture-Kapital unterfütterte Zhaogang. Es folgen BankSteel, eine Tochter des Beratungsunternehmens Mysteel, die Stahlhändler Opsteel und Xinyilian sowie die zum Stahlerzeuger Baosteel gehörende Ouyeel.

Der vollständige Artikel ist in »stahlmarkt« 3.2017, S. 12/13 erschienen.