Chinesischer Autobauer wählt deutschen Stahl

Leichtbau-Werkstoff von thyssenkrupp für Stoßfänger bei FAW Car

In den vergangenen rd. 60 Jahren hat sich Changchun zum Zentrum der chinesischen Autoindustrie entwickelt. Alles begann 1953 mit der Eröffnung der ersten Autofabrik der Volksrepublik unter dem Namen »First Automotive Works« (FAW). Den Autobauer verbindet mit thyssenkrupp eine langjährige Partnerschaft.

»Wir feiern in diesem Jahr unser 20-jähriges Jubiläum.«

Dr. Yan Wang, Chefingenieur für Stanztechnik bei FAW Car

Stahl aus Duisburg: Seit 20 Jahren besteht die Zusammenarbeit zwischen FAW Car und thyssenkrupp. Bei der Produktion von Stoßfängern setzt der chinesische Auto- Hersteller auf einen neuen Leichtbau- Werkstoff, der damit erstmalig auf dem asiatischen Markt zum Einsatz kommt.Stahl aus Duisburg: Seit 20 Jahren besteht die Zusammenarbeit zwischen FAW Car und thyssenkrupp. Foto: thyssenkrupp

Im Bestreben, sich den verändernden Marktbedingungen anzupassen und die Wünsche der Käufer zu berücksichtigen, begann FAW ein Pionier der chinesischen Automobilproduktion, mit internationalen Herstellern zu kooperieren. Produzierte FAW Car anfangs ausschließlich Eigenmarken und nur für heimische Kunden, ist das Unternehmen mittlerweile weltweit präsent. Seit dem Jahrtausendwechsel bestehen Lizenzverträge mit Toyota, Mazda und GM. Den Anfang machte aber bereits 1991 die Zusammenarbeit mit VW. Damit begannen auch die Geschäftsbeziehungen zu einem wichtigen Werkstofflieferanten aus Deutschland – zu thyssenkrupp.

Vor 20 Jahren wurde erstmals Stahl aus Duisburg verwendet.

»Die Tatsache, dass thyssenkrupp neben dem Material auch intensiven Engineering-Support geleistet hat, war ein sehr wichtiges Argument bei der Lieferantenentscheidung von FAW Car.«

Shunbing Yu, Kundenberater im Stahlbereich

Als FAW Car vor ein paar Jahren das Projekt für ein neues Fahrzeugmodell startete, suchte das Unternehmen ein geeignetes Material für den Stoßfänger. Dr. Wang fand ihn in der Stahlsorte MBW 1900 von thyssenkrupp Steel Europe. »Dieser Mangan-Bor-Stahl vereint gleich mehrere Anforderungen, die für das Bauteil wichtig sind«, so Dr. Wang. Der Werkstoff verfügt über ein hervorragendes Warmumformverhalten, höchste Festigkeit und bietet einen sehr hohen Deformationswiderstand. Zudem senkt er dank seiner Leichtbaueigenschaften das Gewicht des Stoßfängers.

Das Unternehmen FAW

Die Produktion umfasste ein einziges Modell, einen mittelgroßen Lkw. Doch schon bald stieg die Nachfrage und die Produktion wurde auf Verkehrs- und Reisebusse erweitert. Heute stellt FAW auch Kleinlaster und Lkw für Schwertransporte, Pkw in allen Fahrzeugklassen sowie maßgeschneiderte Fahrwerke für Busse her. Dies geschieht nicht ausschließlich in Changchun, sondern an 18 weiteren Standorten in China. Mit dem breiteren Angebot stiegen die Produktionszahlen: 2,55 Mill. Fahrzeuge lieferte FAW 2015 aus. Aus der First Automotive Works wurde die First Automotive Group Corporation, die Abkürzung FAW blieb – ergänzt um ein Car.

Erschienen in »stahlmarkt« Ausgabe 11.2017, S. 16 ff.

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