Digitale Transformation im Stahlhandel – was soll das?

Fünf Kernaussagen aus dem Hause Voß Edelstahlhandel, von Markus Fischer*

Im Moment dominieren die Themen Digitalisierung, Online, Web-Shop und Industrie 4.0 viele Medien in der Stahlbranche. Es wird der Eindruck erweckt, dass man hier vielleicht etwas Wichtiges verpasst und schnell von der Entwicklung abgehängt werden kann. Dabei verbirgt sich dahinter ein eigentlich ganz normaler Prozess der steten technischen Verbesserung. Heute sind eben Dinge möglich, die vor 20 Jahren nur angedacht werden konnten. Aber wer hier nicht mitmacht, läuft tatsächlich Gefahr, in sehr naher Zukunft Marktanteile oder sogar das ganze Geschäft zu verlieren.

1. Der digitalisierte Stahlhandel kommt ganz bestimmt!
Menschen, die heute 25 Jahre alt sind, haben die Entwicklung der digitalen Technik, PC, Internet und Smartphones komplett von Anfang an erlebt. Sie haben dies in der Schule und in der Ausbildung täglich vor Augen und gehen insbesondere im privaten Leben ganz natürlich damit um.

Markus Fischer

Es geht darum, dass sich unsere Geschäftsmodelle grundlegend ändern werden.

Markus Fischer*

2. Der Stahlhandel ist nicht auf der Höhe der digitalen Zeit
In vielen anderen Branchen gibt es die digitale Transformation schon seit Langem. Dort sind viele Prozesse bereits auf Effizienz getrimmt bei denen wir Stahlhändler noch sehr, sehr analog vorgehen. Hier zwei Beispiele:

  • EAN-Code: Die gesamte Lebensmittelund Konsumgüterindustrie hat welt- und europaweite Standards in der Artikelkennzeichnung gesetzt.
  • EDIFAKT: In der Automobilzulieferindustrie wird schon seit Jahrzehnten keine Bestellung mehr analog ausgelöst.

3. Ein Web-Shop allein ist keine Lösung
Der Stahlhandel wird sicher nicht durch die Einführung von Web-Shops revolutioniert. Hier muss »größer« gedacht werden: Alle Prozesse sollen durch das Angebot von digitalen Diensten schneller werden.

Wir alle haben ein Warenwirtschaftssystem, also laufen unsere internen Prozesse schon digital. Sobald aber die Ware (und die damit verbundene Information) das Haus verlässt, werden wir wieder analog. Schade. Dabei könnte es viel einfacher sein.

Ich möchte hier ein Szenario zeigen, das bei Voß Edelstahlhandel heute bereits den Kunden angeboten wird:

  • Der Kunde entscheidet selbst, wie er mit uns als Lieferanten kommuniziert: persönlich, über unsere Plattform »Voss online« oder über eine integrierte EDISchnittstelle (dabei überspielen wir dem Kunden in seine eigene Warenwirtschaft relevante Daten zu unseren Beständen und Preisen).
  • Der Kunde hat damit sofort immer ein aktuelles und verbindliches Angebot von Voß Edelstahlhandel vorliegen, einschließlich Lieferzeiten und Verfügbarkeiten.
  • Die Bestellung oder die Anfrage für Sondermengen und -abmessungen erfolgt digital per »Mausklick« und wird über eine Schnittstelle sofort in sein eigenes ERP-System übertragen. Eine doppelte Erfassung von Bestellung/Anfragen ist also nicht nötig.
  • Nach der Bestellung ist eine 100-%-Sendungsverfolgung möglich. Mit Fertigstellung der Kommissionen erhält der Kunde einen Lieferavis in digitaler Form.
  • Alle Dokumente bei Voß sind mit Barcodes versehen.
  • Die durch uns digitalisierten (verschlagworteten) Werkszeugnisse erhält der Besteller ebenfalls auf digitalem Weg.

Die kundeneigenen Artikelmatchcodes sind dabei auf allen Dokumenten (analog und digital) hinterlegt. Das alles ist heute möglich, wird aber nur in seltensten Fällen von unseren Kunden abgerufen. Es ist sicherlich nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Generation in die Entscheidungsebene kommt und diese Prozesse einfordern wird. Es ist aber auch eine Frage der Standardisierung.

Langprodukte aus Edelstahl und Aluminium in fast 6.000 Abmessungen und unterschiedlichen Güten - nur für den Handel. Das ist Voß Edelstahl. Foto: Voß EdelstahlLangprodukte aus Edelstahl und Aluminium in fast 6.000 Abmessungen und unterschiedlichen Güten - nur für den Handel. Das ist Voß Edelstahl. Foto: Voß Edelstahl

Erschienen in »stahlmarkt« Ausgabe 8.2017, S. 26 ff.

4. Ohne Standards geht gar nichts
Die vorgestellten Möglichkeiten scheitern oft an den fehlenden Standards in unserer Branche. Artikelinformationen können nur nach aufwendigem »matchen« von Artikelnummern überspielt werden. Zudem gibt es keine durchgängigen einheitlichen Datenaustauschformate.

5. Und nun? Voss Online zeigt, wie‘s geht
Ich kann nur dafür plädieren, dass wir in unserer Branche endlich Standards für Artikelbezeichnungen und Datenaustauschformate definieren. Hier wären die Verbände und die großen Einkaufsgesellschaften gefordert. Standards sind die Basis für eine unternehmensübergreifende Digitalisierung. Nur damit können effizientere Prozesse geschaffen werden, in denen dann zum einen ein großes Potenzial zur Kosteneinsparung und zum anderen auch die Basis
für eine Verstärkung der Kundenbindung liegt.

Voß Edelstahlhandel hat dabei eine Sonderstellung: Als reiner und europaweit agierender Händlerversorger können wir hier eine Plattform anbieten, ohne in Konkurrenz zu unseren Kunden zu gehen. Und das tun wir mit »Voss Online« seit über einem Jahr sehr erfolgreich. Für viele unserer Kunden haben wir die Arbeit des »Artikel-matching« schon gemacht, für viele haben wir schon Datenschnittstellen entwickelt.
Wir glauben daran, denn das ist die Zukunft.

* Markus Fischer und Thorsten Studemund führen gemeinsam die Geschäfte der Voß Edelstahlhandel GmbH & Co. KG in Neu Wulmstorf. Das Unternehmen beliefert seit über 38 Jahren den Fachhandel im Bereich Langprodukte und bietet seit Anfang des Jahres auch nahtlose Rohre vom Standort Düsseldorf aus an, siehe »stahlmarkt« 4.2017, S. 36.

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