Ein Bündel voller Herausforderungen

… für Europas Stahl-Service-Center

Die Stahl-Service-Center in der Europäischen Union müssen ihre Geschäftsmodelle überdenken und sich flexibel an neue Gegebenheiten anpassen. Immer höhere Anforderungen der Automobilindustrie, Überkapazitäten und neue Technologien werfen vielfältige Fragen auf. Der europäische Verband der Stahlhändler (EUROMETAL) ist überzeugt, dass die Mitglieder die richtigen Antworten finden.

Die Automobilindustrie verarbeitet zunehmend hochfeste niedriglegierte Stähle und senkt so die Volumina, die die Stahl-Service-Center verarbeiten. Folge ist eine Verringerung des Stahlanteils in Fahrzeugteilen (67 % im Jahr 2010 auf 51 % im Jahr 2030). EUROMETAL empfiehlt den Stahl-Service-Centern auch die Verarbeitung von Aluminiumflacherzeugnissen als neues Geschäftsfeld.

Weitere Herausforderungen ergeben sich für die Stahl-Service-Center aus den bestehenden Überkapazitäten. Die Balance zwischen Angebot und Nachfrage ist nicht mehr gegeben.

Foto: stahlmarkt/WS

Zum einen lassen Gewichtsreduzierungen im Fahrzeugbau und in anderen Stahl einsetzenden Industrien die Nachfrage nach Stahlerzeugnissen kräftig sinken, zum anderen gehen europäische Exporte aufgrund des steigenden Protektionismus und des Ausstiegs Großbritanniens aus der EU zurück. Da die Aluminiumindustrie bemüht ist, einen Fuß in die Tür von typischen Stahl einsetzenden Industrien, wie Bau und Automobilbau zu bekommen, dürfte der Markt für Bandstahlprodukte in  den nächsten Jahren nicht wachsen. EUROMETAL rechnet deswegen mit einer weiteren Reduzierung der Gewinnmargen.
Stahl-Service-Center seien gut beraten, Gemeinschaftsunternehmen zu gründen bzw. Kooperationen einzugehen.

Abgesehen davon müssen Stahl-Service-Center künftig mit einer geringeren Zahl von Lieferanten auskommen. Die Handelsklagen gegen Exporteure aus Drittländern reduzieren die Verfügbarkeit von Bandstählen. Längere Lieferzeiten und steigende Preise dürften die Folge sein. Unabhängige Stahl-Service-Center könnten gegenüber werksabhängigen Stahl-Service-Centern ins Hintertreffen geraten.

EUROMETAL empfiehlt seinen Mitgliedern zudem die Verbesserung der IT-Infrastruktur und eine Digitalisierung der gesamten Lieferkette.

Erschienen in »stahlmarkt« Ausgabe 9.2017, S. 35.

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