stahlmarkt 1.2018 (Januar)

stahlmarkt 1.2018

Der Stahl, aus dem die Traumstädte sind

Der Wunsch vieler Menschen, in immer größeren, grünen oder smarten Städten zu wohnen, verstärkt die Suche nach neuen Bauelementen und ungewöhnlichen Konstruktionslösungen. Die Stahlerzeuger unterstützen diese Trends mit immer besseren Materialmixes und der Entwicklung innovativer Baustähle.

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Die weltweite Bauindustrie profitiert seit geraumer Zeit von der anhaltenden Verstädterung. Nach Einschätzung des Forschungsinstituts des südkoreanischen Stahlerzeugers Posco ist ein Ende nicht in Sicht. Vielmehr sollen im Jahr 2050 rd. 66 % aller Menschen beziehungsweise 9,5 Milliarden in Städten leben. Das bedeutet, dass pro Jahr durchschnittlich rd. 100 Mill. Bewohner neu hinzukommen. Im Jahr 1950 lebten lediglich 29 % aller Menschen in oder im Einzugsgebiet von Städten.

Informations- und Kommunikationstechnik in intelligenten Städten

Die Urbanisierung verschärft aber auch bestehende Probleme, wie Wohnungsnot, unzureichende Transportmöglichkeiten und die nicht ausreichende Versorgung mit Strom und Wasser. Gleichzeitig führt dieser Mangel zu steigenden Investitionen in bauliche Maßnahmen, vor allem für die Errichtung von Wohnhäusern und Geschäftsgebäuden sowie in die Infrastruktur. Hingegen sinken die Ausgaben für den Bau von Produktionsanlagen, da die Menschen aufgrund der globalen Klimaerwärmung und der Umweltverschmutzung mehr Wert auf erneuerbare Energieträger legen.

Stahlintensität bei Bauinvestitionen

Zahl der Megastädte steigt kontinuierlich

Die Forscher gehen davon aus, dass es künftig wesentlich mehr Megastädte mit 10 Millionen Einwohnern und mehr geben wird. Außerdem dürften infolge der vierten industriellen Revolution smarte beziehungsweise intelligente Städte entstehen.

Auch die Nachfrage nach grünen Städten, die weniger Energie verzehren und verstärkt auf das Recycling achten, soll kräftig steigen. Die Experten glauben auch, dass der bestehende Wettbewerb zwischen Ländern nun von einem Kräftemessen zwischen Städten abgelöst wird.

Dies dürfte sich vor allem durch die Anzahl der Wolkenkratzer entscheiden. Zwischen 2012 und 2016 verdoppelte sich die Zahl der Gebäude mit einer Höhe von mehr als 300 m. Aktuell werden 100 superhohe Türme errichtet. Im Jahr 2020 dürften es doppelt so viele sein. Die Verschmutzung der Ozeane, der Klimawandel und die Endlichkeit von Energieträgern wecken in vielen Menschen aber auch den Wunsch nach einem Leben in einer grünen Stadt. Die Konstrukteure sind angehalten, umweltschonendere Materialien und Techniken für die Errichtung neuer Gebäude einzusetzen.
Wieder andere Menschen möchten in intelligenten Städten leben. Dort wird die Informationstechnik integraler Bestandteil für die Bereiche Energie, Transport und Risikominderung. Schon bald dürften intelligente Städte wie Pilze aus dem Boden schießen. China und Indien haben hier bereits die Nase vorn und kündigten Pilotprojekte an. Auch dort werden besondere Stähle benötigt.

Neue Stähle unterstützen Trends

Der Bedarf an innovativen Stahlerzeugnissen für die Realisierung neuer Wohnformen verändert sich nach Einschätzung der Experten des Posco Research Institute aber nicht auf einen Schlag, sondern vollzieht sich in mehreren Schritten. Zunächst einmal würden sich Designer und Architekten konventionelle Baustahlerzeugnisse, wie Stäbe und Formstähle, mit verbesserten Eigenschaften wünschen. Um diese höheren Anforderungen zu erfüllen, dürften Stahlunternehmen ihre konventionellen Erzeugnisse nun aus Verbundwerkstoffen fertigen und beispielsweise Produkte aus Stahl und Beton schaffen.
Im nächsten Schritt prognostizieren die Experten den Einsatz innovativer Materialien im Konstruktionsprozess. Die Investitionen in den Bau größerer und wachsender Städte führen zu einer qualitativen Veränderung der Stahlerzeugnisse. Es gibt aber auch quantitative Veränderungen, da die Stahlintensität beziehungsweise der Anteil des Stahls pro Bauelement künftig sinkt. Hochfeste Stahlmischungen würden verstärkt für sehr hohe Gebäude und sehr lange Brücken in Megastädten eingesetzt. Die Stahlintensität, die im Jahr 2015 mit 100 % festgesetzt wurde, dürfte im Jahr 2025 auf 91 % und im Jahr 2035 auf 84 % sinken. Die anhaltende Verstädterung führt – die Stahlkosten einmal ausgeklammert – aufgrund eines wachsenden Personalaufwands zu steigenden Baukosten. Diese werden künftig immer weniger von den Stahlpreisen bestimmt, sondern vielmehr von den Aufwendungen für intelligente Objekte, wie dem Internet der Dinge und Sensoren in den smarten Städten.

Erschienen in »stahlmarkt« Ausgabe 1.2018, S. 20 ff.

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