stahlmarkt 1.2018 (Januar)

stahlmarkt 1.2018

Stahlindustrie muss Lösungen finden

Die weltweite Nachfrage nach Stahlerzeugnissen wird nach Einschätzung von Experten in den kommenden 20 Jahren weiter wachsen. Diese positive Entwicklung wirft allerdings auch Fragen auf, die die globale Industrie beantworten muss. Gelingt dieses Vorhaben, behält sie ihren Platz als Schlüsselindustrie.

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Das Forschungsinstitut des südkoreanischen Stahlerzeugers Posco hat vier tiefgreifende Veränderungen in den Stahl einsetzenden Industrien ausgemacht, die sich auch signifikant auf die Stahlerzeuger auswirken.

  • Erstens wächst der globale Stahleinsatz künftig aufgrund der rückläufigen Stahlintensität langsamer als in der Vergangenheit.
  • Zweitens steigt der Bedarf an anspruchsvolleren Stahlerzeugnissen.
  • Drittens muss die Stahlerzeugung smarter und umweltfreundlicher werden.
  • Viertens ist die Digitalisierung der Geschäftsprozesse unabdingbar.
Stahlnachfrage

1. Weniger Stahl pro Produkt

Berechnungen zufolge soll die internationale Automobilindustrie bis 2035 mit einer durchschnittlichen Rate von 1,6 % pro Jahr wachsen. Gleichzeitig sinkt aber der Stahlanteil, der in einem Fahrzeug eingesetzt wird, im Vergleich zum Jahr 2015 um 20 %. Somit dürfte es der Stahlindustrie sehr schwer fallen, den Stahleinsatz in der Automobilindustrie zu steigern, folgern die Mitarbeiter des Posco Research Institute. Eine ähnliche Situation zeigt sich im Schiffbau. Anders sieht es in der Bauindustrie aus. Im Energiebereich erwarten die Experten nur geringe Veränderungen. Unter dem Strich prognostizieren die Forscher, dass die globale Stahlnachfrage bis zum Jahr 2025 auf 1,69 Mrd. t und bis 2035 auf 1,86 Mrd. t steigt.

2. Hochentwickelte Stahlerzeugnisse für die Welt

Die Stahlerzeuger müssen kontinuierlich neue Lösungen für die immer komplizierteren und individuelleren Anforderungen ihrer Kunden entwickeln. Diese wünschen sich vor allem hochfeste Stähle mit einem perfekten Korrosionsschutz und einer ausgezeichneten Performance. Zwar gab es diese Ansprüche auch schon in der Vergangenheit, heißt es in dem Bericht des Posco Research Institute weiter, künftig benötige die Stahl einsetzende Industrie aber bessere Stähle denn je.

3. Umweltfreundliche und smarte Stahlerzeugung

Die intensive Diskussion über den Klimawandel stellt die Stahlindustrie vor weitere Probleme. Die Erzeugung von Stahl soll künftig noch umweltschonender erfolgen. Es existieren bereits Technologien, die weniger Energie benötigen und die Hochöfen ersetzen können. Außerdem wurden die Recyclingquoten erhöht. Die Posco-Experten glauben allerdings, dass die Industrie an diesen Themen noch intensiver arbeiten und weitere Verbesserungen erreichen muss. Mittelfristiges Ziel sei die Reduktion der Schadstoffemissionen, langfristiges Ziel die vollständige Vermeidung des Ausstoßes.

4. Wertschöpfung durch Digitalisierung

Eine große Veränderung bringt die vierte industrielle Revolution. Die Stahlerzeuger müssen ihre Prozesse digitalisieren, große Datenmengen sammeln und diese mit Zuhilfenahme von Künstlicher Intelligenz auswerten. Der Einsatz der innovativen Techniken erleichtert die Optimierung der Erzeugung. Posco Research Institute glaubt, dass Stahlerzeuger die größten Fortschritte und Verbesserungen bei der Automation und dem Know-how-Transfer erreichen.

Zusammengefasst:
Posco Research empfiehlt Stahlerzeugern vor allem, den Kontakt zu den Kunden zu intensivieren und offen für die Entwicklung neuer Produkte und Lösungen zu sein.

Erschienen in »stahlmarkt« Ausgabe 1.2018, S. 9 ff.

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