Heft 5.2017: Europäischer Grobblechmarkt bleibt hart umkämpft

Heimische Erzeuger konzentrieren sich auf hochwertige Produkte

Der europäische Grobblechmarkt wird nach Einschätzung des europäischen Verbandes für die Distribution von Stahl, Rohr und Metall, EUROMETAL, im laufenden Jahr nicht wesentlich wachsen. Zudem dürften anhaltend hohe Importe die heimischen Erzeuger unter Druck setzen und vor allem den Absatz handelsüblicher Produkte erschweren. Bleibt nur die Hinwendung zu hochwertigen Erzeugnissen, die die Wettbewerber nicht anbieten.

Erschienen in »stahlmarkt« Ausgabe 5.2017,S. 12 ff.

Georges Kirps Generladirektor bei EUROMETALEin Bild vom Grobblechmarkt zeichnete EUROMETAL-Generaldirektor Georges Kirps während der – vom ukrainischen Informationsdienstleister Metal Expert veranstalteten – 3. Steel Plate Conference Europe in Düsseldorf.

Auch die hohen Strafzölle für Grobblecheinfuhren aus China werden den Wettbewerb bei Handelsstählen weiter verschärfen. Zudem geht der europäische Stahlhandelsverband davon aus, dass stattdessen Importe aus anderen Drittländern steigen und den heimischen Erzeugern Kopfzerbrechen bereiten.
Der Einkauf von einfachen Grobblechen zur Weitergabe an die Endkunden dürfte somit für die europäischen Stahlhändler etwas komplizierter werden. Darüberhinaus befürchtet EUROMETAL steigende Risiken für Lieferkettenunterbrechungen mit negativen Auswirkungen auf die Branchen, die Grobbleche einsetzen. Diese dramatische Entwicklung kennzeichnete bereits den Verlauf des Geschäftsjahres 2016. Der Anteil der Einfuhren aus dem Ausland stieg auf 27,8 % nach bereits 26,2 % im Jahr 2015. Traditionell nahmen Einfuhren aus Nicht-EU-Ländern nur Anteile zwischen 15 und 20 % ein. Grund genug, eine Anti-Dumping-Untersuchung zu Importen aus China zu fordern. Am 28. Februar 2017 bestätigte die EU-Kommission die bereits am 7. Oktober 2016 vorläufig festgelegten Schutzzölle für die kommenden fünf Jahre. Bereits die Einleitung der Untersuchung zu Beginn des Jahres 2016 reduzierte die Einfuhren aus dem Reich der Mitte.

Bedarf an Grobblechen erhöhte sich geringfügig

Die Nachfrage nach Grobblechen stieg in der europäischen Union im Jahr 2016 um 3,1 % auf 10 Mill. t. Ein Jahr zuvor stammte die Hälfte aller in der EU gefertigten Grobbleche aus Deutschland und Italien. Ein Drittel aller Grobbleche ging im vergangenen Jahr an die Bauindustrie. Die Rohrerzeuger nahmen 23 % ab, der Maschinenbau 18 % und der Schiffbau 9 %. Der Rest verteilte sich auf alle anderen Branchen. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich der Anteil des Maschinenbaus um einen Prozentpunkt. Der Anteil der Rohrindustrie fiel um denselben Betrag.

Im Folgenden einige Grafiken zum Download (Mausklick rechts)

Quatobleche: Nicht EU-Importe
Grobblechlieferungen der EU-Stahldistributeure

Über Europas Stahlhandel

Die Lieferkette der europäischen Stahlindustrie besteht aus 250 Stahl- und Rohrerzeugern, 5.000 Stahlhändlern und Stahl-Service-Centern sowie einer Million Endkunden. Die Stahl- und Rohrerzeuger verkaufen ihre Produkte maximal an 25.000 bis 30.000 Endkunden, die Stahlhändler und Stahl-Service-Center bedienen bis zu einer Million Endabnehmer. Für EUROMETAL-Generaldirektor Georges Kirps ist der Stahlhandel die intelligente Verbindung zwischen den Stahlerzeugern und den Stahlkonsumenten. Während Stahlerzeuger über einen langen Zeitraum große Mengen herstellen und Skaleneffekte erzielen wollen, suchen Endkunden kleine Mengen, die auf ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmt sind, schnell zur Verfügung stehen und zum gewünschten Einsatzort gebracht werden.
Die 5.000 Stahlhändler und Stahl-Service-Center in der EU sind vor allem kleine und mittelständische Unternehmen, die zusammen 110.000 Arbeitsplätze bieten und pro Jahr rd. 80 Mill. t Stahl verkaufen. Ihr Anteil am europäischen Grobblechmarkt beträgt aktuell 59 %. Die restlichen 41 % verteilen sich auf den Direktverkauf der Stahlwerke und auf Importe.

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