Industrieplattform für alle

Klöckner & Co wird den digitalen Marktplatz weiter öffnen

»Mehrwert digital – Perspektiven für die Stahl- und Metallindustrie«, so hieß der Titel eines Kunden-Forums, den die Klöckner & Co Deutschland GmbH im Mai in Köln veranstaltet hatte. Für Sven Köpchen, den Vorsitzenden der Geschäftsführung, wird die digitale Vernetzung immer mehr zum Erfolgsfaktor. »Wir zeigen Ihnen, welche Chancen sich für Partnerschaften zwischen Kunden und Lieferanten ergeben können«, sagte er. Unter Klöckner connect bietet der Stahlhandelskonzern inzwischen eine Serviceplattform mit Kontraktportal, einem Onlineshop (24 Stunden an 7 Tagen pro Woche), einer Bestellübersicht, elektronischem Datenaustausch (EDI) und dem ERP-System Sage 100 mit Klöckner Modul an.

Das Kundenforum eröffnete zunächst Dr. Holger Schmidt, Journalist, Ökonom und Buchautor, mit einem Einstieg und Überblick über die digitale Transformation. Als wichtige Technologietrends der nächsten drei bis fünf Jahre identifizierte er für das produzierende Gewerbe und den Handel u. a. den 3-D-Druck, Virtual Reality (VR) und das Internet der Dinge. Wichtige Feststellung: Es reicht nicht mehr, wenn Unternehmen auf ihre Wettbewerber im eigenen Umfeld achten.
Gefahr kann nun auch von neuen, bisher völlig unbeachteten Unternehmen drohen. »Zentraler Unterschied zwischen digitalen Gewinnern und Verlieren ist die Innovationsgeschwindigkeit «, so seine Überzeugung.

Klöckner-CEO Gisbert Rühl (Foto: WS)Klöckner-CEO Gisbert Rühl

Digitaler Stahlhandel in der Praxis
Wie sich der Stahlhandel bei Klöckner hin zum digitalen Geschäft verändert, erläuterten André Doko, Lead Buyer Stainless & Aluminium, aus der Perspektive des Einkaufs, und David Siemoneit, Kundenberater (Bearbeitung, Automatisierung, After Sales) aus dem Bereich Vertrieb. Klöckner muss über 10.000 verschiedene Artikel an verschiedenen Standorten weltweit vorhalten und hat derzeit einen Gesamtlagerbestand von über 180.000 t – und das dürfte sich vermutlich noch verbessern. David Siemoneit stellte den großen Vorteil der internetbasierten Lösungen bei Klöckner vor – gerade auch für kleine, mittelständische Kunden. Diese können 24 Stunden an sieben Tage pro Woche Bestellungen abgeben und einsehen, ob und wann ihr Material lieferbar ist.

Plattformen als Bindeglied für Lieferanten und Produktionsbetriebe
Heiko Brandsch, Manager Strategic Partnerships, bei Axoom, einem Start-up der Trumpf GmbH & Co. KG, stellte die digitale Plattform seines  Unternehmens vor. Klöckner ist bereits vor zwei Jahren eine Kooperation mit Axoom eingegangen und hat das Kontraktportal verknüpft. Axoom Smart Enterprise dient nun als »intelligent vernetzte Lösung« zur Steuerung und Optimierung von Prozessen – vom Auftragseingang bis zur Auslieferung. So können z. B. die Klöckner-Lagerbestände und die Maschine eines Stahlfertigungsbetriebs in Verbindung stehen, sodass die Stahlbestellung von der Maschine initiiert wird und alles Weitere bis zur Anlieferung der Bleche dann fast automatisch abläuft.

Effizienter Stahleinkauf per ERP
In Kooperation mit dem Software-Anbieter Sage hat Klöckner eine ERP-Lösung für Stahlverarbeiter entwickelt, mit der Kunden ihre Geschäftsprozesse steuern können. Die modulare Lösung Sage 100 Klöckner Modul erlaubt eine direkte Anbindung der Kunden an das Klöckner-Bestellwesen und die Koordination aller Geschäftsprozesse (Einkauf, Vertrieb, Warenwirtschaft, Produktion).

»Die Industrieplattform hat den größten Nutzen für alle.

Klöckner-CEO Gisbert Rühl

Erfahrungen eines Anwenders
Für ein Unternehmen wie die Kolbus GmbH & Co. KG, Rahden, einen Anbieter von Buchbindereimaschinen bis hin zu Inlinefertigungsanlagen für die druckverarbeitende Industrie, hat sich die Zusammenarbeit mit Klöckner gelohnt. Dabei wird nicht nur viel Zeit gespart, sondern auch viel Geld. Automatische Verarbeitung der Auftragsbestätigungen, digitale Ablage von Lieferscheinen, schnelles Reagieren auf Reklamationen, zufriedene Mitarbeiter, die weniger Routinearbeiten leisten müssen, sind nur ein paar Beispiele.

Erschienen in »stahlmarkt« Ausgabe 8.2017, S. 24 ff.

Blick in die Zukunft: sich öffnen
Auch Klöckner-Chef Rühl kam zum Forum nach Köln. Für ihn ist die Zeit jetzt reif, die Plattform zu öffnen. »Wir wollten nie nur einen Online-Shop anbieten, sondern immer schon in Richtung einer Plattform gehen«, erzählte er. »Die Plattform hat den größten Nutzen für alle – Kunden wie Lieferanten.« Zunächst sollen zusätzlich komplementäre Produkte auf der Plattform angeboten werden, um den Kunden Zugang zu allen Stahl- und Metallprodukten zu bieten, die sie brauchen. Für abgewickelte Geschäfte werden dann Transaktionsgebühren erhoben. Mit dieser Digitalisierungsstrategie wird letztlich nicht nur der Kundennutzen gesteigert, auch die Mitarbeiter werden von Routinearbeiten entlastet  und können sich anspruchsvolleren Aufgaben widmen. Klöckner-Chef Rühl zu den Teilnehmern des Forums: »Wir kommen alle nicht an der Digitalisierung vorbei. Wir bieten Ihnen  an, den Weg mit uns gemeinsam zu gehen… Die Chancen sind gigantisch groß.«

170805261