Mühsam weiter aufwärts

von Stephan Jäger *, IHK Siegen

Das Konjunkturklima im Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Siegen verbessert sich zum Jahresanfang leicht. Insgesamt ist die regionale Wirtschaft gut aufgestellt. Dennoch ist der Blick nach vorne bei aller Zuversicht alles andere als beruhigend. Das politische Umfeld auf den internationalen Märkten ist unberechenbarer denn je. Hiervon ist der IHK-Bezirk in Siegen und im Südlichen Westfalen als starke Industrieregion in besonderer Weise betroffen.

Konjunkturklimax im südlichen Westfalen

Die Betriebe beurteilen ihre wirtschaftliche Lage Anfang 2017 annähernd so positiv wie im Herbst 2016: Fast 40 % schätzen sie zu Jahresbeginn als »gut« ein, nur 12 % als »schlecht«. Knapp ein Viertel erwartet in den kommenden Monaten auch bessere Geschäfte, nur 10 % schlechtere. Der Konjunkturklimaindex als Zusammenfassung von Lagebeurteilungen und Erwartungen stieg dadurch gegenüber September 2016 von 118 auf nun 120 Punkte an. Damit verbessert sich das Konjunkturklima seit zwei Jahren stetig, jedoch in sehr kleinen Schritten. Ein Wermutstropfen sind jedoch die wieder verhaltener gewordenen Investitionsentscheidungen. Viele Unternehmen investieren zögerlich. Die Devise lautet oft: »Erst mal abwarten«. Trotz guter Stimmung ist dies auch Ausdruck von vorhandenen Unsicherheiten.

Im Baugewerbe und bei den Dienstleistern zeigt das Konjunkturbarometer deutlicher nach oben als in der Industrie insgesamt. In beiden Bereichen hat sich das Klima noch einmal verbessert. Allein im regionalen Groß- und Einzelhandel ist die Stimmung gegenüber dem Herbst des vergangenen Jahres etwas verhaltener geworden. Positiv für den privaten Konsum sind weiterhin die gute Arbeitsmarktsituation und die zuletzt gestiegenen Löhne. Aktuell fällt die Stimmung in der Industrie etwas besser aus als im vergangenen Jahr. Es werden anhaltend hohe Produktionsauslastungen gemeldet. Im letzten Quartal 2016 zogen die regionalen Industrieumsätze noch einmal an. Allerdings hält sich das Jahresplus mit 0,6 % sehr in Grenzen. Zudem überdeckt es die massiven Schwierigkeiten einzelner Wirtschaftszweige: Die Unternehmen der Metallerzeugung und -bearbeitung verzeichneten im Jahr 2016 ein Umsatzminus von 14,3 %. Immerhin kommen nun von dort und auch aus anderen stahlnahen Branchen vereinzelt positivere Signale. Den Gießereien im Siegener Kernraum geht es indessen nach wie vor miserabel. Besserung ist hier allenfalls mittelfristig zu erwarten. Dennoch werden die Lage und die Erwartungen innerhalb der Industrie Siegen-Wittgensteins über alle Unternehmen hinweg deutlich besser eingeschätzt als noch vor einem halben Jahr. Gleichwohl wird vereinzelt das Instrument der Kurzarbeit angewandt. Sehr unterschiedlich fallen vor allem die Einschätzungen der Unternehmen des heimischen Maschinen- und Anlagenbaus aus. Einige sprechen von steigenden Auftragseingängen, andere von »ausgeprägten Seitwärtsbewegungen« ohne wirkliche Perspektive.

… mehr dazu in »stahlmarkt« 05.2017 ab S. 28.

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Einschätzung der Industrie
Südliches Westfalen: Konjunkturklima

*Stephan Jäger ist Diplomvolkswirt, MBA, und wissenschaftlicher Referent bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Siegen, Leiter des Referates Konjunktur, Arbeitsmarkt und Statistik

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