»Stahlteppich«: Neuer Begriff für neuen Bodenbelag

Alternativen zu klassischen Teppichböden werden angedacht

Sie bleiben im wahrsten Wortsinn auf dem Teppich, auch wenn sie Bodenbeläge aus Aramid-, Glas- oder Polyesterfasern herstellen und als neueste Produktentwicklung 3-D-Textilien aus Stahl- oder Basaltgarnen offerieren: Textilforscher vom Institut für Bodensysteme (TFI).

Mit Eigenschaften jenseits von scharfkantigen Topfkratzern aus Stahlwolle hat der metallene 3-D-Belag aus feinsten Stahlgarnschlingen, die im sogenannten Tuftingprozess (sprich: Tafting) in ein Trägermaterial eingenadelt werden, neben einer soliden Optik auch eine angenehme Haptik. »Unser Stahlteppich ist antistatisch und wäre nicht brennbar, wenn es bei künftigen Forschungen gelänge, das vorgefertigte Trägermaterial aus ebensolchem Material herzustellen«, sagt Entwicklungsingenieur Dirk Hanuschik. Der Experte sieht für solche druck- und trittfesten Textilien neue Verwertungsmöglichkeiten und damit für die Hersteller neue Vermarktungschancen: Getuftete Stahl- und Basaltteppiche könnten in robusten und leicht durch Abbürsten oder Abschütteln zu reinigenden Staubfiltern oder als hochtemperaturfeste Wärmeisolierung Anwendung finden. Weitere Materialkombinationen sind als Trennmatten unter der Dachbegrünung bzw. zur Böschungssicherung einsetzbar. Am TFI wird ferner daran gearbeitet, dass textile Bodenbeläge bereits in wenigen Jahren einen Hauch von Intelligenz, z. B. sensorische oder leuchtende Funktionen, bekommen. In einem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projekt der industriellen Gemeinschaftsforschung war es beispielsweise gelungen, elektrisch leitende Fäden und sogar komplette Leiterbahnen in den Tuftingprozess zu integrieren.

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Leuchtbahnen – TFI-Entwicklungsingenieur Dirk Hanuschik präsentiert ein lektrolumineszentes Kabel als Stehfaden im getufteten Belag. (Foto: TFI)
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Leuchtbahnen – TFI-Entwicklungsingenieur Dirk Hanuschik präsentiert ein lektrolumineszentes Kabel als Stehfaden im getufteten Belag. (Foto: TFI)

Damit werden bei Teppichen und Auslegeware neue Produkt- und Designmöglichkeiten sowohl für gehobene als auch individuelle Ansprüche geschaffen – Impulse, die die Teppichhersteller in der Bundesrepublik dringend benötigen.

Deshalb treibt das TFI als Europas führende Forschungseinrichtung auf diesem Gebiet gemeinsam mit deutschen Teppichproduzenten solche Entwicklungen voran. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Tufting-Technologie, der weltweit am häufigsten eingesetzten Technik zur Herstellung dreidimensionaler Teppichböden. Auf den hocheffektiven Tuftingmaschinen, von denen es weltweit etwas mehr als 4.000 geben soll, können auf einer Arbeitsbreite von 5 m dann zehn Quadratmeter pro Minute Auslegeware mit den typisch voluminösen Schlingen entstehen. Die hocheffektiven Hersteller suchen inzwischen nach neuen Teppichhorizonten, weil bloße Raumausstattung der Branche Volumengrenzen auferlegt. Aachener Teppichforscher haben jetzt auch mit getuftetem Kunstrasen dafür eine Steilvorlage gegeben.

Erschienen in »stahlmarkt« Ausgabe 1.2018, S. 30.

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