Frauen in der Stahlindustrie

Welchen Begriff suchen wir? – 3 Hinweise

Risiko Fachkräftemangel

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Von Stefan Weber

Was bereitet Mittelständlern die größten Sorgen? Wer jetzt an den Brexit, die US-Handelspolitik oder eine mögliche Zinswende denkt, liegt falsch – die Unternehmen sorgen sich vor allem, dass ihnen die Fachkräfte ausgehen. Aber noch ist der Aufschwung intakt und viele Betriebe haben ihn genutzt, um sich finanzielle Polster zu schaffen.

Der eine lockt mit Tankgutscheinen, ein anderer verspricht, die Betreuungskosten für die Kinder zu übernehmen und ein Dritter bietet eine betriebliche Altersvorsorge sowie flexible Arbeitszeiten: Der deutsche Mittelstand wird erfinderisch, wenn es darum geht, Fachkräfte anzuwerben und Stammpersonal weiter an sich zu binden. Kein Wunder, schließlich geht es um viel. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat herausgefunden, dass der Mangel an Fachkräften für 56 % der Unternehmen das größte Geschäftsrisiko darstellt. Gegenüber 2011 hat sich dieser Wert verdreifacht.
Fehlendes qualifiziertes Personal droht zu einem Bremsklotz für die Konjunktur zu werden. In einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) unter knapp 2.900 Unternehmen gaben 44 % an, dass es bei ihnen wegen hoher Kapazitätsauslastung zu Verzögerungen bei der Produktion und bei der Auslieferung kommt. Ein wenig Entlastung verspricht eine Verbesserung der Rahmenbedingungen – etwa in Form eines Ausbaus der Ganztagsbetreuung für Kinder, um vor allem mehr Frauen eine Berufstätigkeit zu ermöglichen. Oder in Form einer Änderung des Arbeitszeitgesetzes (Wochenarbeitszeit statt Tagesarbeitszeit), mit dem Ziel, mehr Menschen in Beschäftigung zu bringen.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hat herausgefunden, dass der Fachkräftemangel für 56 % der Unternehmen das größte Geschäftsrisiko darstellt.

Nachhaltig lässt sich das Problem damit nicht lösen. Dafür sorgt schon die Demografie. Wenn in den nächsten zehn Jahren die Angehörigen der geburtenstarken Jahrgänge aus dem Erwerbsleben ausscheiden, werden sich weitere erhebliche Lücken auftun. Bei anhaltend guter Konjunktur klaffen Angebot und Nachfrage nach Fachkräften immer weiter auseinander. In der traditionellen Herbst-Umfrage der Wirtschaftsauskunftei Creditreform zur »Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand« kündigten 30 % der befragten Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes an, ihre Belegschaft aufstocken zu wollen – und treffen damit auf einen leergefegten Arbeitsmarkt. Können zusätzliche Investitionen, etwa in neue Technologien, das Problem lösen? »Vereinzelt ja, meistens nein« – so das Fazit der Creditreform-Studie. Sicherlich gibt es Betriebe und Branchen, in denen zusätzliche Investitionen Personalengpässe mildern können. In den meisten Fällen wird dies jedoch nicht funktionieren, weil sich viele Tätigkeiten von Fachkräften nun einmal nicht automatisieren lassen.

Auffällig ist, dass sich das Stimmungsbild vor allem im verarbeitenden Gewerbe verschlechtert hat. Dort rechnet nur noch jeder dritte Befragte mit steigenden Umsätzen.

Kann aber vielleicht der Wandel der Wirtschaft hin zu digitalen Technologien dem Fachkräftemangel entgegenwirken? Zum Beispiel, weil der Einkauf (etwa für Vormaterial) zunehmend über das Internet abgewickelt wird und auch der Verkauf immer häufiger online erfolgt? Auch an dieser Stelle lässt die Studie der Wirtschaftsauskunftei wenig Raum für Hoffnungen. Lediglich jeder zehnte Befragte erwartet, dass die Digitalisierung von Geschäftsprozessen das Fachkräfteproblem lösen kann. Am ehesten stimmen dieser These noch Unternehmen aus dem Dienstleistungsgewerbe und dem verarbeitenden Gewerbe zu. Fazit der Studienautoren: »Aus Sicht der mittelständischen Unternehmen werden wohl auch künftig viele Tätigkeiten von qualifiziertem Personal ausgeführt werden müssen. Und genau das ist immer schwieriger zu finden.«

Noch hinterlässt der Fachkräftemangel keine tieferen Bremsspuren in den Bilanzen der mittelständischen Unternehmen. Die Mehrheit der von Creditreform befragten Mittelständler rechnet in den nächsten Monaten mit stabilen (54,2 %) oder sogar höheren Umsätzen (37,7 %). Auffällig ist jedoch, dass sich das Stimmungsbild vor allem im verarbeitenden Gewerbe verschlechtert hat. Dort rechnet nur noch jeder dritte Befragte mit steigenden Umsätzen – ein Jahr zuvor war es noch knapp jeder zweite Befragte gewesen. Gleichzeitig schnellte der Anteil der pessimistischen Stimmen von 4,6 % auf 12,5 % in die Höhe. Auch ihre Ertragslage bezeichnet die Branche nicht mehr so positiv wie zwölf Monate zuvor: 18,5 % (im Vorjahr 10,1 %) der Unternehmen berichten von Ertragseinbußen. Und 14,5 % (Vorjahr 3,7 %) der Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe erwarten, dass sich dieser Trend in den nächsten Monaten fortsetzen wird. Dort spiegelt sich allerdings wohl weniger die Sorge um fehlende Fachkräfte als die Furcht vor allgemeinen Konjunkturrisiken, beispielsweise dem unklaren Ausgang des Brexit, der irritierenden US-Handelspolitik oder einer möglichen Verschärfung der Finanzierungsbedingungen. Eine konjunkturelle Trendumkehr lässt sich daraus nicht ableiten, da sind sich Experten einig. Aber selbst wenn der bisher verlässlich auf Hochtouren laufende Motor ein wenig ins Stottern geraten sollte, wird das die meisten Unternehmen nicht erschüttern. Viele Mittelständler haben die nun schon lange anhaltende Boom-Phase genutzt, um ihre Finanzpolster aufzubessern. Jedes dritte (33,2 %) von Creditreform befragte Unternehmen meldet eine Eigenkapitalquote von mehr als 30 %. Zehn Jahre zuvor wies nur jedes Vierte (24,5 %) eine solche Quote auf. Zugleich hat sich auch der Anteil der Unternehmen mit einer bedrohlich niedrigen Eigenkapitalausstattung (weniger als 10 % an der Bilanzsumme) zuletzt weiter auf 29,4 % verringert. Besonders solide ist das verarbeitende Gewerbe finanziert: 44 % der Betriebe verfügen über eine Eigenkapitalquote von mindestens 30 %.

Kurzum: Die Anzeichen mehren sich, dass der Weg künftig ein wenig steiniger wird. Eine Stolperfalle könnte der Fachkräftemangel werden. Doch noch muss sich niemand sorgen, die Wirtschaft könnte aus dem Tritt geraten.

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Dem Geheimnis des Stahlgefüges auf der Spur

Foto: Dillinger
Durch umfangreiche FuE-Aktivitäten und Kooperationen mit der Universität des Saarlandes
treibt Dillinger die Herstellung zukunftsweisender Produkte in seinen Walzwerken voran.

Forschungskooperation: Dillinger entschlüsselt die DNA des Stahls

Dillingen/Saar.Mit einer integrierten Forschungskooperation fördert Europas nach eigenen Angaben führender Grobblechhersteller die Erforschung der Mikrostruktur von Spezialstählen. Neu entwickelte Analysetechniken und Simulationsverfahren erlauben den Blick in bislang unbekannte Tiefen des Stahlgefüges und auf die für seine Bildung entscheidenden Einflüsse im Produktionsprozess. Das angestrebte Ergebnis ist ein neues Verständnis der Zusammenhänge und damit die Möglichkeit, die Realisierung immer anspruchsvollerer Eigenschaftsprofile extrem belasteter Stähle präzise vorherzusagen und anschließend in der Fertigung industrieller Produkte umzusetzen.

In Fundamenten und Plattformen von Offshore-Anlagen müssen Grobbleche jahrzehntelang Höchstleistung vollbringen. Extreme Einsatzbedingungen wie arktische Temperaturen, hohe statische und dynamische Belastungen machen ihnen dabei das Leben schwer. Mit auf den jeweiligen Anwendungsfall angepassten Eigenschaften wie maßgeschneiderte Streckgrenze, Zugfestigkeit und Zähigkeit halten die Bleche von Dillinger diesen Dauerbelastungen stand, wie das Grobblechwerk mitteilt. Demnach arbeitet das Traditionsunternehmen permanent an der Entwicklung neuer Produkte und Verfahren entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Neben Produktionsanlagen auf dem neuesten Stand der Technik stehen dafür unter anderem die umfangreichen FuE-Aktivitäten des Hightech-Stahlherstellers – sowohl intern als auch in Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten und Universitäten weltweit.

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Stahl-Entwicklung 4.0: Präzise Vorhersagen anspruchsvoller Eigenschaftsprofile in ex­tremen Einsatzsituationen sollen Grobbleche leistungsfähiger machen.

Einsicht in die inneren Strukturen
Einen Schwerpunkt auf der Suche nach neuen Lösungen bildet seit 2015 die Forschungskooperation des Unternehmens mit der Universität des Saarlandes (UdS) und dem Material Engineering Center Saarland (MECS). Damals rief Dillinger eine dreijährige strategische Partnerschaft mit drei Instituten für Materialwissenschaft und Werkstofftechnik ins Leben und förderte diese mit knapp 1 Mill. €. Kürzlich schrieb das Unternehmen die Kooperation durch eine Anschlussförderung in gleicher Höhe für weitere drei Jahre fort. Ziel dieses integrierten Forschungsprojektes ist Dillinger zufolge die systematische Erweiterung des mikrostrukturbasierten Werkstoffdesigns durch gezielte Gefüge- und Eigenschaftsmodellierung von Spezialstählen. »Die innere Beschaffenheit dieser Stähle ist der Schlüssel zur Entwicklung innovativer Eigenschaftsprofile. Über das objektive Verständnis der Mikrostruktur und der sie beeinflussenden Parameter kann diese über den entsprechend modifizierten Herstellungsprozess präzise auf kundenspezifische Rahmenbedingungen eingestellt werden«, so Dillinger.
Um diese Einsicht in die inneren Strukturen kontinuierlich weiter auszubauen, arbeiten die drei beteiligten Lehrstühle der Universität des Saarlandes an der Entwicklung innovativer Analysetechniken, Simulationsverfahren und Materialmodelle. Diese verzahnen sie nicht nur miteinander, sondern auch mit den Forschungsaktivitäten von Dillinger. Per Simulation verknüpfen sie Prozessphasen und Produkt, um so die Mikrostruktur und damit die gewünschten Produkteigenschaften zu modellieren. Die Simulation kann bei der Blechherstellung deutlich schneller als mit realen Versuchen und vor allem exakt reproduzierbar realisiert werden.
Die Erkenntnisse, über Jahre aufgebautes Wissen sowie per Modellierung und Simulation gewonnene neue Einsichten ermöglichen bislang nicht denkbare Entwicklungssprünge. Davon verspricht sich Dillinger, steigende Kundenanforderungen künftig unter anderem präziser und flexibler als bisher zu beantworten. Der Werkstoffcharakterisierung und -klassifizierung widmet sich der Lehrstuhl für Funktionswerkstoffe unter der Leitung von Professor Frank Mücklich, der auch die Koordination der Forschungsprojekte übernommen hat. Die Werkstoffbehandlung steht im Mittelpunkt der Forschungen am Lehrstuhl für experimentelle Methodik der Werkstoffwissenschaften, den Professor Christian Motz leitet. Die mechanische Werkstoffmodellierung ist der Forschungsschwerpunkt am Lehrstuhl für Technische Mechanik unter Federführung von Professor Stefan Diebels.

Gefüge-Klassifizierung mit Methoden des maschinellen Lernens
Die Basis für die Verknüpfung von Herstellungsprozess, innerer Beschaffenheit und Produkteigenschaften des Stahls ist die objektive Beschreibung der Mikrostruktur nach Zusammensetzung, Anzahl, Art und Verteilung ihrer Bausteine. Dazu arbeitet das Forscherteam um Professor Mücklich an der Entschlüsselung der de facto grenzenlosen geometrischen Vielfalt des Gefüges auf Mikro- und Nanoebene. Um diesen Parametern auf den Grund zu gehen, untersuchen die Wissenschaftler die Gefügestruktur bis ins kleinste Detail. Durch reproduzierbare Kontrastierung machen sie das Gefüge sichtbar und ermöglichen so eine sichere Quantifizierung der Gefügebausteine.

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Im vollautomatisierten Stahlwerkslabor überprüft Dillinger die neuen Produkte.

Diese bergen die Geschichte des Herstellungsprozesses vom nm- bis μm-Bereich. Die entwickelten Analysetechniken erlauben, den exakten Aufbau der Mikrostruktur darzustellen, also das Gefüge chemisch, kristallographisch und geometrisch abzubilden, auszulesen und objektiv zu bewerten. Im Rahmen des ersten Förderprojektes wurde zu diesem Zweck das Gefüge in den Oberklassen Ferrit, Perlit, Bainit und Martensit kontrastiert, segmentiert und mittels entsprechend entwickelter Data-Mining-Methoden klassifiziert. Die dafür genutzten Daten basierten auf den individuellen Pixel-»Umgebungen« oder auch speziellen geometrischen Besonderheiten (Morphologievarianten) der untersuchten Gefügebausteine. Mit der zu ihrer systematischen und objektiven Beurteilung ebenfalls entwickelten Auswertungsmethode unter Nutzung von modernen Werkzeugen des maschinellen Lernens können nun 60 % der Dillinger-Stähle automatisiert analysiert und objektiv klassifiziert werden. Im jetzt angestoßenen Folgeprojekt optimieren und erweitern die Forscher dieses Lehrstuhls das zuvor erarbeitete Data-Mining-Konzept, indem sie sich der Untersuchung und Klassifizierung der bainitischen Substrukturen nach Gefügeart, Größe und Zusammensetzung widmen. Dazu werden diese Substrukturen in weitere Unterklassen unterteilt, um feinste Gefügeunterschiede korrekt zu erfassen und zu klassifizieren. Mit dem Ergebnis werden weitere 15 % der Stahlgefüges automatisiert klassifizierbar sein.

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Werkzeugindustrie ist gut in Schwung

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Mittelständler nehmen die Digitalisierung an

Von Karlheinz Voß

Remscheid.Das für die Branche ungewohnt deutliche Wachstum in den vergangenen Jahren hält bei der deutschen Werkzeugindustrie auch 2018 an. Dennoch sind viele Unternehmen verunsichert. Geht der Boom 2019 zu Ende?

Die Geschäfte der deutschen Werkzeughersteller laufen immer noch auf vollen Touren. Seit fünf Jahren ist in der exportstarken Branche kontinuierliches Wachstum angesagt. Davor ging es eher gemächlich zu. Plus und Minus lösten sich wiederholt ab.

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Die Geschäfte der deutschen Werkzeug­hersteller laufen nach wie vor bestens.

2017 gelang ein Umsatzsprung um 7,4 % auf den Rekordwert von 4,64 Mrd. € und damit ein Wachstum seit 2013 um mehr als 20 %. Im laufenden Jahr dürfte nochmals ein Zuwachs von 5 % oder sogar etwas mehr möglich sein. Immerhin haben die Erlöse bereits im ersten Halbjahr um 6,7 % zugelegt. Rainer Langelüddecke, Geschäftsführer des in Remscheid ansässigen Fachverbands Werkzeugindustrie (FWI), hatte gegenüber dem »stahlmarkt« vor einem Jahr ein Umsatzplus von gut 5 % für 2017 vorhergesagt. »Umso mehr freute ich mich über die erreichten mehr als 7 % und über die Auftragseingänge, die bereits 2017 um 8 % gewachsen sind, und im ersten Halbjahr 2018 nochmals um 7,4 % gesteigert werden konnten«, sagt er nun. Damit ist bereits ein guter Teil der Beschäftigung für den Rest des Jahres gesichert. Nach einer aktuellen Unternehmensumfrage des Verbands nahmen die Auftragseingänge aus dem Inland bei über 40 % der Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 10 % zu. Knapp 40 % der Betriebe meldeten hohe Zuwachsraten bei den Bestellungen aus dem Ausland. »Die positiven Entwicklungen der Auftragseingänge aus dem In- und Ausland stimmen die Unternehmen für die kommenden Monate optimistisch«, unterstreicht Langelüddecke.

Nur 2 % der Firmen beurteilen die Lage als unbefriedigend
Kein Wunder, dass 35 % der Verbandsmitglieder die gegenwärtige Situation als »günstig« und 63 % als »befriedigend« beurteilen. Nur wenige Firmen (knapp 2 %) stufen die Lage als »ungünstig« ein. Damit hat sich die Einschätzung gegenüber dem Vormonat zwar etwas verschlechtert. Da hatten jeweils knapp 50 % der Befragten mit »günstig« und »befriedigend« geantwortet. Doch ohne Zweifel kann die Beurteilung weiter als überaus positiv bezeichnet werden. Dabei sind innerhalb der einzelnen Werkzeuggruppen naturgemäß unterschiedlichen Entwicklungen erkennbar. »Die Hauptträger des Wachstums sind der private Konsum, aber auch die Vollauslastung im Bausektor und im Handwerk«, erläutert Langelüddecke. Die Unternehmen sind in den Fachabteilungen Handwerkzeuge, Maschinenwerkzeuge und Baubefestigung organisiert. Auch für die kommenden Monate bis Ende Januar herrscht weiter Zufriedenheit. Gut 84 % der Unternehmen erwarten eine gleichbleibende und damit weiter günstige oder befriedigende Entwicklung. Mehr als 4 % rechnen sogar mit einer Besserung. Dass knapp 12 % die Lage als ungünstiger einschätzen, kann angesichts des bisherigen Höhenflugs schon statistisch kaum überraschen.

Die Geschäfte der deutschen Werkzeughersteller laufen auf vollen Touren. 2017 gelang ein Umsatzsprung um 7,4 % auf den Rekordwert von 4,64 Mrd. €.

US-Politik erschreckt die Märkte
Dennoch sind nach den Worten des FWI-Geschäftsführers in der mittelständischen Branche vermehrt Stimmen zu hören, die für das kommende Jahr ein Ende des ungewohnt raschen und steilen Wachstums befürchten. Langelüddecke bezeichnet die letzten vier Jahre als Boomphase und sagt auch deshalb: »Ein solch anhaltender Höhenflug kann eigentlich aus Erfahrung nur abflachen. Ich habe die Sorge, dass der Boom eine Pause einlegt.« Als Geschäftsführer des FWI seit 1991 kennt Langelüddecke die Werkzeugindustrie genauestens. Was er bei den Unternehmen hört, drückt er so aus: »Die Stimmung ist zunehmend als skeptisch und unsicher einzuschätzen.« Dazu trägt die kaum vorhersehbare Zukunft auf den Weltmärkten in großem Maße bei. »Die von den USA abgefeuerten Querschüsse gegen freien, uneingeschränkten Handel sowie der Druck und Einfluss mit handelskriegerischen Beschränkungen gegen China, Russland, die Türkei und den Iran mit dem Ziel zu Solidarität und Wohlverhalten mit den USA erschrecken die Märkte und deren stabile Entwicklung und bewirken nachfragedämpfende Effekte.« Anderseits warnt Langelüddecke vor ausgeprägter Schwarzseherei und Pessimismus.
Die Ausfuhr konnte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2017 um 3,2 % auf 3,85 Mrd. € gesteigert werden. Allerdings sind die Angaben mit denen des Umsatzes nur bedingt vergleichbar. In den Zahlen für Ein- und Ausfuhr sind nicht nur die fertigen Werkzeuge, sondern auch Rohlinge enthalten. Zur Außenhandelsstatistik gehören ferner auch Lieferungen von Handelsunternehmen. Setzt man Umsatz (4,64 Mrd. €) und Ausfuhr (3,85 Mrd. €) in Relation zueinander, so würde sich eine Exportquote von 83 % errechnen. Tatsächlich liegen die Ausfuhren der deutschen Hersteller bei rund 50 % des Umsatzes, was im Hinblick auf die mittelständische Struktur ein beachtlicher Wert ist. Die wichtigsten Ausfuhrländer (2017) sind die USA mit 8,3 % der Gesamtausfuhren. Es folgen Frankreich (8,2 %), Österreich (6,8 %), die Niederlande (5,5 %) und Italien (5,3 %). Nach Europa wurden insgesamt 71 % der Exporte geliefert. Die Einfuhren erhöhten sich 2017 um 1,5 % auf 2,18 Mrd. €. Auch hier hält Europa den höchsten Anteil mit 51,9 %. Allerdings kommen auch 41,1 % aus dem asiatischen Raum. Die VR China liegt mit 23 % des gesamten Einfuhrvolumens deutlich an der Spitze der wichtigsten Einfuhrländer, gefolgt von der Schweiz (12 %), Taiwan (8 %), den USA (6,4 %) und Österreich (6,3 %).

Die Hauptträger des Wachstums sind der private Konsum, aber auch die Vollauslastung im Bausektor und im Handwerk.
Rainer Langelüddecke, Geschäftsführer des Fachverbands Werkzeug­industrie (FWI).

Deutsches Werkzeug im Ausland begehrt
Die Tatsache, dass die relativ kleine Branche mit 30.000 Mitarbeitern ihre Produkte weltweit in 212 Länder liefert, wertet Langelüddecke als Beweis dafür, dass der hervorragende Ruf weiter unbestritten ist: »Unsere Markenprodukte genießen in der Welt einen hohen Stellenwert hinsichtlich Funktion, Sicherheit, Design und Qualität.« Aber auch die Struktur der Branche stützt offenbar die Erfolge. »Bei derart vielen Zielländern für ihre Exporte muss sich die deutsche Werkzeugindustrie immer auf krisenhafte Einwirkungen einstellen. Die flexible Organisation der überwiegend kleinen und mittelgroßen Betriebe mit zum Teil sehr speziellen Nischenprodukten für Industrie, Handwerk und Do-it-yourself ermöglicht aber in der Regel eine rasche Reaktion auf Marktveränderungen«, erläutert der FWI-Geschäftsführer. Teilweise überbrückten Vertriebskooperationen mangelnde Möglichkeiten gerade kleinerer Unternehmen, etwa bei der Erschließung neuer Märkte aus eigener Kraft neue Strukturen aufzubauen. Hilfreich sei auch, dass die Konzentration der Branche im letzten Jahrzehnt stark zugenommen habe. »Gab es vor 25 Jahren unter den Mitgliedern zwei wesentliche Unternehmensgruppen, so ist es heute ein Dutzend mit großem Gewicht und bekannten Marken«, so Langelüddecke. Zur Konzentration zähle er auch den Rückgang von Anbietern durch Konkurse, Geschäftsaufgaben oder stille Liquidation.
Auch vom Wert des »Made in Germany« seien die Betriebe im Rahmen ihrer Auslandsaktivitäten überzeugt. »Freilich ist es in der heutigen Üblichkeit des weltweiten Einund Zukaufs schwierig, die strenge und von der Rechtsprechung geforderte Einhaltung aller qualitätsbegründenden Arbeitsschritte durchgängig einzuhalten«, räumt Langelüddecke ein. Das FWI-Verbandszeichen »Deutsches Werkzeug – made in Germany«, das seit 35 Jahren durch Werbung am Produkt Verbreitung finde, sei ebenfalls eine feste Größe der Auslandsarbeit der Betriebe und des Verbands. Gestützt sieht sich der FWI dabei auch durch die neue, branchenübergreifende Untersuchung des Germany Trade & Invest (GTAI), die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik. Mit über 50 Standorten weltweit und einem starken Partnernetzwerk unterstützt GTAI deutsche Unternehmen bei ihrem Weg ins Ausland. GTAI habe die Erfolgsfaktoren des Qualitätsbegriffs »Made in Germany« auch 130 Jahre nach seiner Erfindung zwar kritisch beleuchtet, aber in ihrer Gesamtheit bestätigt. Die Auslandsmessen, die vom Verband aktiv gefördert werden, haben ebenfalls in erheblichem Maße zum Ausbau des Auslandsgeschäfts beigetragen. Die Schwerpunkte dieser Messeaktivitäten des FWI liegen in Asien, Osteuropa und den USA. »Das Verfahren, konsequent Interessenten für Gemeinschaftsstände zusammenzuführen, bietet den teilnehmenden Unternehmen Erleichterung, Synergien und organisatorische Unterstützung«, so Langelüddecke.

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Frachtkostenerhöhung in der Speditionsbranche

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Der offene Dialog über die Gründe für die flächendeckenden Preiserhöhungen in der Speditions­branche ist Marcel Hergarten, Geschäftsführer der Hergarten-Gruppe, wichtig.

Hintergründe und Dynamik der branchenweiten Preiserhöhung

Laut Transport-Market-Monitor erreichten Ende 2017 die Preise für Lkw-Frachten europaweit ein Rekordhoch. Eine Eintagsfliege? Keineswegs. Auch im ersten Quartal 2018 bleibt der Trend zu hohen Frachtpreisen ungebrochen.
»Die Speditionsbranche befindet sich im Umbruch. Für die kommenden Jahre wird eine jährliche Preissteigerung von 5 bis 10­ % prognostiziert«, sagt Marcel Hergarten, Geschäftsführer der Hergarten-Gruppe, einem bundesweit operierenden Full-Service-Logistikanbieter für die Stahlbranche. Wir sprachen mit ihm über die Gründe für die steigenden Frachtpreise.

Frachtraum wird teurer. Auch für die Kunden der Hergarten-Gruppe?
Marcel Hergarten:
Ja, leider. Wir wollen für unsere Kunden immer ein verlässlicher Partner sein und ihnen einen gleichbleibend ausgezeichneten Service zu gleichbleibenden Preisen bieten. Aufgrund der extremen Laderaumverknappung müssen jedoch auch wir nun die Preise anpassen und Kosten an unsere Kunden weitergeben.

Was sind die Gründe für die geringen Ladekapazitäten?
Zunächst natürlich die boomende Wirtschaft allgemein. Immer mehr Güter werden über die Straße transportiert. Der Frachtraumbedarf steigt über nahezu alle Indus­ triezweige rasant an. Stahl ist dabei für die meisten Spediteure, die ihre knappen Ladekapazitäten möglichst geschickt und gewinnbringend verteilen müssen, ein eher unattraktives Transportgut, da die Ladezeiten lang und die Verpackungen aufwendig sind. Daher werden andere Branchen bevorzugt. Den Stahlhändlern stehen weniger Logistikdienstleister und somit weniger Frachtraum zur Verfügung. Für die Hergarten-Gruppe ist der Stahltransport seit jeher Kerngeschäft. Unsere Standorte und unsere 180 Lkw umfassende Flotte sind auf den Transport von Stahlgütern zugeschnitten. Unsere Kunden schätzen unsere Stahl-Expertise. Momentan haben wir permanent ein Verhältnis von drei Ladungen zu einem Lkw – eine so hohe Kapazitätsauslastung hatten wir noch nie. Ausschlaggebend für die knappen Frachtraumkapazitäten und der damit verbundenen Frachtkostenerhöhung in unserem Unternehmen ist der branchenweite Fachkräftemangel. Alle suchen händeringend nach Fachkräften, insbesondere nach Lkw-Fahrern. Ohne Fahrer kein Transport. Das klingt simpel, die Tragweite dieser Zusammenhänge ist jedoch leider nicht allen Kunden und Geschäftspartnern bewusst.

Wieso ist es so schwer, gutes Personal zu finden?
Zum Beispiel wegen der zum Teil horrenden Gehaltsforderungen von Bewerbern, die sich ihren Arbeitsplatz ja quasi aussuchen können. Wir bezahlen unsere Mitarbeiter bereits übertariflich, bieten eine praxisorientierte Ausbildung und haben eine äußerst geringe Mitarbeiterfluktuation. Das zeugt für mich von Zufriedenheit und ist wichtigste Voraussetzung für die Einhaltung unserer Qualitätsstandards. Hinzu kommt, dass der Job des Berufskraftfahrers aktuell leider ein sehr schlechtes Image hat. Staus, Unfallrisiko, familienunfreundliche Arbeitszeiten – das ist so die weitverbreitete Vorstellung. Unserer Meinung nach ist das viel zu eindimensional betrachtet. Was zu den Aufgaben eines Berufskraftfahrers wirklich alles dazugehört, wie viel Abwechslung der Be­­rufs­ alltag bietet und welche Möglichleiten bestehen, den Job familienfreundlich zu gestalten, wissen die Wenigsten. Hier mangelt es schon an Aufklärung in den Schulen. Deshalb engagieren wir uns auch dort. Alles in allem wird der Kampf um die Fachkräfte und damit um Frachtraum im Zuge der aktuellen Entwicklungen aus unserer Sicht also immer extremer. Das schlägt sich in den Personalkosten und schließlich auch in den Frachtkosten nieder.

Was tut Hergarten, abgesehen von der Preiserhöhung, um die Situation zu entschärfen?
Wir versuchen das Übel an der Wurzel zu packen, indem wir unsere Mitarbeiter aktiv binden, eine gute Ausbildung bieten, über die Medien, auf Messen und durch Kooperationen Personal akquirieren. Darüber hi­naus pflegen wir die partnerschaftlichen Beziehungen zu Subunternehmen und sorgen mit Zukäufen von kleinen und mittelständischen Speditionen für mehr Flexibilität. Neue Partner- oder Subunternehmen zu fin­den, ist derzeit jedoch fast ein Ding der Unmöglichkeit aufgrund alternativloser Preis­­­­forderungen oder eigener Dauerauslastung.

Könnte die Politik bei der Auflösung des Dilemmas helfen?
Die freie Marktwirtschaft muss sich hier in den nächsten Jahren selbst regulieren. Letztlich fehlt der Speditionsbranche allerdings tatsächlich die Lobby.

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Die große Stahlstatistik 2018

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Heft 5.2018 Das Rad nicht neu erfinden

Indien befindet sich zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Die Rohstahlerzeugungskapazität in Indien soll bis zum Jahr 2030/31 auf 300 Mill. t steigen (von heute 125 Mill. t). Die Bevölkerung Indiens werde dann 225 Mill. t Fertigstahl einsetzen. Der Stahlmarkt Indien kommt allerdings nicht wirklich in Fahrt.

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Heft 4.2018 Pilotanlage zur Stahlerzeugung ohne fossile Energieträger

Indien befindet sich zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Die Rohstahlerzeugungskapazität in Indien soll bis zum Jahr 2030/31 auf 300 Mill. t steigen (von heute 125 Mill. t). Die Bevölkerung Indiens werde dann 225 Mill. t Fertigstahl einsetzen. Der Stahlmarkt Indien kommt allerdings nicht wirklich in Fahrt.

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EUROMETAL-Regionaltreffen SSC Südeuropa 2018

Inwiefern Stahl-Service-Center (SSC) in der Lage sind, die Wertschöpfungskette von Flachstahl zu erweitern, ist das zentrale Thema der am 28. Juni 2018 auf dem Regionaltreffen  „EUROMETAL SSC Regional Meeting Southern Europe 2018“ in Barcelona.