2. AOTK fokussiert Energiewende und Fragen der Industrie 4.0

Natürlich ging es generell um alle aktuellen Entwicklungen auf dem Gebiet der Industrieöfen und Wärmebehandlungsanlagen. Von besonderer Bedeutung waren beim 2. Aachener Ofenbau- und Thermoprozess-Kolloquium (AOTK) Mitte Oktober aber zwei spezielle Themen: die Positionierung der Branche im Fokus der Energiewende sowie Fragestellungen der Industrie 4.0 im Ofenbau in Verbindung mit aktuellen Entwicklungen auf dem Gebiet der Mess- und Regeltechnik.

Im Rahmen des 2. Aachener Ofenbau- und Thermoprozess-Kolloquium ging es in zahlreichen Vorträgen um die Positionierung der Branche im Fokus der Energiewende sowie Fragestellungen der Industrie 4.0 im Ofenbau. Foto: Shutterstock

„Von der Branche, auch wenn sie nicht im absoluten Fokus der täglichen Berichterstattung steht, werden innovative Lösungen für die Zukunft erwartet. Dies betrifft die Topics Energieeffizienz und niedrige Emissionen der Prozesse und Anlagen hinsichtlich NOx, CO und insbesondere CO2. Die Vielzahl der Vorträge soll dazu einen angemessenen Beitrag leisten“, so Professor Dr.-Ing. Herbert Pfeifer, Veranstalter des Kolloquiums. Dies spiegelte sich auch bereits in den Themen der Plenarvorträge am Donnerstagvormittag wieder.

Vorträge aus Wissenschaft und Wirtschaft

Nach Pfeifers einleitendem Vortrag zur „Energiewende in der Thermoprozesstechnik“ berichtete Anna Feldman vom VDMA European Office über aktuelle Entwicklungen in der Klimapolitik in der EU und Deutschland. Daran schlossen sich zwei Vorträge an, die konkretere technische Lösungen diskutierten. Professor Dr.-Ing. Marc Hölling berichtete über „Induktive Knüppelvorwärmung als eine Möglichkeit zur Bereitstellung von Regelenergie“ am Beispiel des Stahlwerks von ArcelorMittal Hamburg. Dr. Steffen Schirrmeister stellte Optionen von „Power-to-X-Anlagen im technischen Maßstab“ aus Sicht von thyssenkrupp Industrial Solutions vor. Weitere Plenarvorträge kamen von Professor Dr.-Ing. Hans-Jürgen Odenthal von der SMS group sowie von Professor Dr. Marcus Kirschen vom Fraunhofer-Zentrum für Hochtemperatur-Leichtbau HTL. Odenthal beschrieb in seinem Vortrag aktuelle Möglichkeiten und Grenzen der Strömungssimulation in der metallurgischen Verfahrenstechnik. Kirschen stellte die Thermoprozesstechnik sowie aktuelle Forschungsthemen am Fraunhofer-Zentrum für Hochtemperatur-Leichtbau HTL und an der Universität Bayreuth vor.

Parallele Sessions

Auch im weiteren, in jeweils in zwei parallelen Sessions organisierten Vortragsprogramm spielte die Energiewende mit 10 weiteren Vorträgen eine bedeutende Rolle. Die thematische Spanne reichte von erforderlichen Entwicklungen für eine Emissionsneutralität der Industrie bis 2050 über den Tunnelofen im Fokus der Energiewende, Potenziale für eine CO2-neutrale Prozesswärmeerzeugung für Wärme- und Glühöfen und den Einsatz von Rohbiogas bis ganz allgemein zur zukünftigen Beheizung von Industrieöfen.

V.l.: Moderator Professor Herbert Pfeifer und Dr. Dominik Schröder, LOI Thermprocess, bei dessen Vortrag zur thermischen Vorbehandlung von Aluminium-Schrotten im Zweikammer-Schmelzofen. Foto: IOB

Ein weiterer Schwerpunkt der Vorträge lag im Bereich Industrie 4.0 und den aktuellen Entwicklungen auf dem Gebiet der Mess- und Regeltechnik. Hier reichten die Vortragsthemen von Predictive Maintenance für Wärmebehandlungsöfen und sicherer und vernetzter Automatisierung von Thermoprozessanlagen über die hybrid-modellgestützte Optimierung für Feuerungs- und Ofenanlagen, modellbasierter Regelung eines Ofens und ein Online-Prozessmodell für die kontinuierliche Wärmebehandlung bis zur Vorstellung neu- und weiterentwickelter Messmethoden.

Aber auch über diese beiden Themenfelder hinaus wurde zahlreiche weitere Vorträge gehalten. Diese handelten von optimierten Wärmebehandlungsprozessen, neuen Ofenkonzepten oder automatisierten Wärmebehandlungskonzepten über die thermische Vorbehandlung von Aluminiumschrotten und Drehrohr- sowie Schachtöfen bis hin zu Kühlkonzepten und den Eigenschaften keramischer Dämmstoffe.

Begleitet wurde das Vortragsprogramm durch eine kleine Posterausstellung über aktuelle Forschungsvorhaben. Hier und in den Pausen bot sich für die Teilnehmer nochmal die Möglichkeit Detailfragen des Industrieofenbaus zu diskutieren und neue Kontakte zu knüpfen. Zahlreiche Präsentationen des Kolloquiums können auf der Webseite abgerufen werden. Darüber hinaus sind die ausgearbeiteten Beiträge in einem Tagungsband zusammengefasst und über das IOB erhältlich.